Im Gespräch mit Stephan Dörner

Stephan Dörner (34), ist seit Juli 2016 Chefredakteur bei der Internet-Zeitschrift t3n. Im offenen Gespräch unterhielten wir uns über Facebook, seine Zukunftspläne und die sozialen Medien.

1. Guten Tag Herr Dörner, wie geht es Ihnen?

 

„Ja, ich bin immer noch ein bisschen krank, aber sonst geht’s mir gut. Ich weiß nicht ob Sie es mitbekommen haben, aber ich bin jetzt nicht ja mehr bei der Welt, sondern werde Chefredakteur bei t3n zum 01.07.“

  1. Ja, das wäre jetzt auch meine zweite Frage gewesen: Wie war denn Ihr Einstand?

„Ich hab noch nicht angefangen, also ab dem 01.07. Ich war schon mal da und hab die Leute kennengelernt, aber ich hab noch nicht gearbeitet.“

  1. Und wie sind Ihre Erwartungen? Worauf freuen Sie sich besonders?

„Mal eine ganz andere Rolle und Aufgabe – ich habe ja schon bei verschiedenen Arbeitgebern gearbeitet, angefangen bei Handelsblatt, dann Wall Street Journal Deutschland und die Welt, ich habe immer im Grunde dasselbe gemacht, immer meine Themen geschrieben, in meinem Fachgebiet, als Autor und jetzt ist mal eine ganz andere Aufgabe, also auch mal konzeptionell zu arbeiten, strategisch sich zu überlegen wo man hin kann mit einer Marke, viel mehr gestalten auch dadurch, weil das Team einfach viel kleiner und agiler ist, weil es ja eher ein Start-Up ist bei t3n, also ich freu mich darauf da viel verändern und prägen zu können.“

  1. In Ihrem Online-Journalismus-Blog geben Sie Tipps und Ratschläge zu Twitter, Social Media und Medientheorie. Wie ist Ihre Meinung im Hinblick auf die weitere Entwicklung im Online-Journalismus?

„Das ist jetzt natürlich eine sehr allgemeine Frage – ich glaube, dass wir so durch ein Tal der Tränen gegangen sind, was den Online-Journalismus angeht – man tut sich schwer ein Monetarisierungs-Programm zu finden, weil es im Bereich Werbung viel Konkurrenz gibt, mit Facebook, mit Google, aber eben auch ganz viele andere Webseiten und das ist so ein bisschen der heilige Gral geworden, was die Monetarisierung angeht.

Ich glaube aber, dass es man da inzwischen ein bisschen optimistischer sein kann, zum Beispiel bei solchen Formaten wie Native Advertisement, die, wenn sie gut gemacht sind, eine gute Chance besteht, dass Online-Journalismus bezahlt wird – natürlich muss Native Advertisement klar gekennzeichnet sein, als Werbung, aber wenn es dann gut gemacht ist, dann wird es glaube ich, eine ziemlich gute Sache, weil die Banner-Werbung ablöst, die eigentlich keiner sehen will und auch nicht gut funktioniert, wie man an den Klickraten sieht. Es wäre dann eine Werbeform, die als Werbung gekennzeichnet, aber wie ein Artikel geschrieben ist und das wäre dann eine Win-Win-Situation für Markt und Leser, weil den Leser die Werbung nicht mehr nervt, die blinkt und ablenkt und stattdessen bekommt er einen gut geschriebenen Artikel und der Verlag kann eben online Geld verdienen. Also das ist meiner Meinung nach ein Hoffnungsschimmer und haben wir ja auch viele Verwerfungen gesehen, online, z.B. Bildergalerien in völlig übertriebenem Ausmaß und Ähnliches um eben die Klickraten zu erhöhen, eine Zeit die langsam auch vorbei ist. Was natürlich immer noch ein Trend ist, ist die Tendenz zu Clickbaites, also das was Heftig.co ganz stark gemacht hat auf Facebook, also die übertriebene, die unwahre Überschrift, emotionalisierend und nur auf den schnellen Klick aus, das ist immer noch eine Tendenz, die wir sehen und da hoffe ich, dass sich das auch irgendwann wieder beruhigt.“

  1. Mittlerweile kann fast jeder Publizieren, sprich in Form von Blogs oder Social Media. Sehen Sie da eine Gefahr, dass in einer anonymisierten Form das Ganze eben unter der Gürtellinie kommentiert werden kann – wie ist  Ihre Meinung dazu?

„Also grundsätzlich bin ich froh über das Internet. Das ist ja schon ein alter Menschheitstraum, dass jeder Mensch nicht nur Informationen empfangen, sondern auch aussenden kann. Das ist eine große Chance und es sind viele neue Formate daraus entstanden. Natürlich neigen Gruppen von Menschen oft zu so einer Art „Mistgabel-Dynamik“ und das ist sicherlich ein Problem. Es gibt durchaus diese Hetzkampagnen oder auch Hetz-Kommentare und ich glaube, dass alle Medien da zunächst naiv rangegangen sind, mit der Einstellung, wenn wir (als Redaktion) die Kommentare öffnen, ist es eine Chance sich mit den Lesern auszutauschen, Feedback zu bekommen usw. Jedes Medium hat aber mittlerweile auch verstanden, dass, wenn man die Kommentarfunktion öffnet, es schnell außer Kontrolle gerät und diese Hetz-Kommentare sin zum Beispiel auch ganz oft von organisierten Gruppen einfach kopiert und eingefügt werden. Die dann mit Fragen provozieren, bei uns damals im Social Media-Team der Welt, sich unter verschiedenen Accounts anmelden, sich gegenseitig zustimmen und mit bestimmten Aussagen provozieren usw.  Da hat man natürlich so ein bisschen seine Naivität verloren, aufgrund von solchen Kommentaren und das ist inzwischen auch viel rigider geworden, was das Löschen angeht. Man muss da einfach klar sagen, dass zum Glück nicht nur der Staat zensieren kann, das ist ein Hausrecht von dem da Gebrauch gemacht wird, weil es ist ja immerhin die eigene Webseite oder auch die eigene Facebook-Wall und ich glaube, also wie gesagt, grundsätzlich sehe ich es als riesige Chance und bin auch froh darum, dass jeder Publizieren kann, nur musst du als Medium eben ein bisschen darauf achten, dass man von seinem Hausrecht Gebrauch macht, wenn es um die eigenen Kommentarspalten geht.“

Das t3n Magazin startete 2005 als Magazin für das Content-Management-System TYPO3 und verwandte Open-Source-Software. Bis 2010 lag jeder Ausgabe eine CD mit Open-Source-Software, E-Books, Video-Tutorials und anderen Inhalten bei. Im Laufe der Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt von der Softwareentwicklung zur Digitalwirtschaft, insbesondere auf die Themen Startups, Marketing, Social Media und E-Commerce. Daher wechselte das t3n Magazin im Februar 2015 vom Computer- ins Wirtschaftsregal des Zeitschriftenhandels. Heute bezeichnet der Verlag selbst t3n als Magazin für „digitales Business und Zukunftstechnologien“ und richtet sich an Leser aus der Wirtschaft. Das t3n Magazin wird nicht mit proprietären Systemen, sondern einer selbst entwickelter Software gesetzt. Diese basiert auf standardisierten XML-Technologien. Nach Angaben der IVW lag die Druckauflage des t3n Magazins im ersten Quartal 2016 bei rund 34.000 Exemplaren.

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